Wo stehen Bitcoin und Cryptocurrencies Anfang 2018?

Branchen-News

Nach einem furiosen letzten Wertanstieg vor Weihnachten 2017 hatte der Bitcoin $BTC, die Mutter aller Cryptocoins, im Januar 60% in Bezug auf seinen Höchststand verloren. Mit dem Bitcoin einhergehend haben auch alle anderen Kryptowährungen, mehr oder weniger unmittelbar an ihn gekoppelt, noch größere Verluste erlitten.

Viele sehen in diesem unglaublichen Anstieg und darauffolgenden Absturz einen Zusammenhang mit den Futures-Zertifikaten, die Ende des letzten Jahres an den US-amerikanischen Terminbörsen CBOE und CME erschienen sind. Wenn dabei der Kurs tatsächlich durch massiven Aufkauf künstlich in die Höhe getrieben wurde, um dann auf dem Höhepunkt Wetten auf fallende Kurs abzuschließen, hätte sich mit darauf folgenden Verkäufen tatsächlich ein gleich doppelter und ungeheurer Gewinn erzielen lassen. Voller Furcht wird dabei in der Bitcoin Community über die Wallstreet - die traditionelle Finanzwirtschaft - gesprochen. Das sogenannte Pump & Dump ist aber tatsächlich ein äußerst fragwürdiges und weit verbreitetes Phänomen im Bereich der digitalen Währungen.

bitcoins

Die zwischenzeitlich vorhandenen Erwartungen, dass der Bitcoin seinen beispiellosen Höhenflug fortsetzen und der Kurs im Laufe des Jahres 2018 eine Höhe von 50.000 $ erklimmen könnte, erscheint mittlerweile vollkommen unrealistisch.

Eher das Gegenteil ist der Fall, obwohl sich der Bitcoin im zehnten Jahr seines Bestehens der größten Adaption und aktivsten Anhängerschaft unter den Cryptocoins erfreut. So ist beispielsweise das Mining, das Schaffen weiterer Bitcoins aus dem Nichts, beflügelt durch staatlich subventionierten Strom in China zur regelrechten Industrie herangewachsen.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Bitcoin technologisch bereits an seiner Grenze angekommen ist. Alleine der Handel und die damit verbundene Distribution der Coins an den Börsen (wie Coinbase, Bittrex und Binance) hat den Bitcoin bereits an sein Leistungslimit gebracht. Die Folge waren hohe Transaktionskosten (bis über 30 $) und Bestätigungszeiten für Transaktionen bis hin zu mehreren Stunden.

An eine Benutzung für reguläre Zahlungen ist dabei nicht ansatzweise zu denken. Letztes Jahr hat sich vor diesem Hintergrund die Bitcoin Community gespalten und eine Kopie des Bitcoin, der Bitcoin Cash, ging an den Markt. Größere Blöcke machen so die Zahlungen wieder schnell und billig. Kritiker verweisen darauf, dass dadurch der Aufwand für den Betrieb der Fullclients, der sogenannten Nodes, die die gesamte Blockchain inklusive jeder einzelnen Transaktion dokumentieren, zu hohen Aufwänden führt und nur noch wenige User mit dem Betrieb eines Nodes einen aktiven Beitrag zum Betrieb des Bitcoin Netzwerk leisten können. Das dezentralisierte, distribuierte Konto ist nun aber genau der Charakter und die Stärke des Bitcoins.

Mittlerweile existiert eine regelrechte Unzahl von Bitcoin Kopien, die sich aufgrund der zugrunde liegenden Open-Source Software auch ganz einfach erzeugen lassen.

Die Adaption im Rückwärtsgang

Wenig Hoffnung besteht für die Adaption des Bitcoin für Zahlungen. Aufgrund des schwankenden Kurses und der (zwischenzeitlich) auch durchaus relevanten Transaktionskosten befindet sich die Akzeptanz sogar eher im Rückwärtsgang. Zuletzt hatte der Zahlungsdienstleister Stripe die Bitcoin Akzeptanz abgekündigt (-> Link).

Durch den Ausfall des Visa Card-Issuers WaveCrest ist kurz zuvor eine der wenigen vorhandenen Möglichkeiten, mit Bitcoins eine Zahlung in der realen Welt vorzunehmen, ausgefallen. Eine weitere Zahlungsalternative bietet noch Bitpay im Onlineshopping. Nach dem starken Anstieg der Transaktionskosten gibt es jetzt allerdings einen Mindestbestellwert in Höhe von 100 Dollar für Zahlungen per Bitcoin.

„Hodler“ bleiben dem Bitcoin treu

Ja, der Vertipper ist Absicht! In der Bitcoin Community gibt es die Holder, die wahrhaftigen Bitcoin Fans, die mit Ihrer Währung bereits durch zahlreiche Höhen und Tiefen gegangen sind. Zu „Hodlern“ sind sie wohl in den zahllosen Foren der Community geworden - durch hektisches Tippen und Vertippen über die jüngste Kursentwicklung, drohende staatliche Regulierung oder andere Breaking News. Nach dem Anstieg Ende 2013 auf fast 1.200 Dollar fiel der Kurs auf 200-300 Dollar und dümpelte dort bis 2016 vor sich hin. Die sogenannten Hodler sind auch in dieser “schweren” Zeit ihrem Bitcoin treu geblieben.

Einige von Ihnen haben unzählige Bitcoins erworben als diese noch im Euro oder gar Centbereich notierten und sind nun auf dem Papier, bzw. in ihrer Wallet, Millionäre, einige sogar Milliardäre. Sie sind heute die Dickfische in der Bitcoin-Community und werden Wale - Whales genannt.

Nach der Erkenntnis, dass der Bitcoin “On Chain”, also durch Transaktionen auf seiner Blockchain nicht den Hauch einer Chance als Zahlungsmittel der Zukunft hat, hat sich die Community auf die Rolle des Bitcoin als Wertanlage (store value), als Digitales Gold zurück gezogen.

Dies ist natürlich angesichts der schon immer vorhandenen und aktuell noch stärker gewordenen Volatilität des Bitcoins kompletter Unsinn. Wer möchte denn seine Ersparnisse in eine Anlageklasse stecken, die unter Umständen in der nächsten Woche 50 % ihres Wertes verloren hat.

lightning

Lightning soll dem Bitcoin zu neuer Stärke verhelfen

Die Hoffnung für die alte Dame Bitcoin sind sogenannte Second Layer Technologien, wie das vielbeschworene Lightning. Mit Transaktionen die nicht auf der Blockchain stattfinden, soll in Sachen Geschwindigkeit und Transaktionskosten der Anschluss an moderne Cryptocoins gefunden werden.

Das Modell ist jedoch reichlich kompliziert und führt in das Bitcoin Konzept zusätzliche Rollen ein. Aus regulatorischer Sicht sind diese, nun, sagen wir zumindest einmal ein weiterer Aspekt, der erst noch eingeordnet werden muss.

Lightning Transaktionen sind eine Stufe anonymer. Der Transfer findet aber nicht mehr ausschließlich peer-to-peer, zwischen zwei einzelnen Parteien statt, sondern involviert Dritte. Die mit Lightning verbundenen Hoffnungen sind in den Preis von Bitcoin bereits einkalkuliert. Rückschläge in der Verbreitung wären sicherlich dem Kurs nicht sonderlich dienlich.

Kritiker verweisen zudem darauf, dass die Lightning-Technologie von Firmen getragen wird - man sich hier also ein ganzes Stück vom freien Open-Source Coin entfernt.

Ether - der Coin der zweiten Generation

Die Begründung der zweiten Generation der Cryptocoins macht Ether mit seiner “Programmierbarkeit” auf der zugehörigen Plattform Ethereum. Im Prinzip können damit automatisierte Zahlungen hinterlegt und ausgelöst werde, was eine Vielzahl neuer Möglichkeiten eröffnet. Die bekannteste und freilich absolut unnötige Anwendung auf der Basis von Ethereum war bislang das Spiel CryptoKitties, welches das Sammeln digitaler Kätzchen zum Inhalt hat.

So viel die CryptoKitties auch zur Beachtung der Automatisierungsmöglichkeiten von Ethereum beigetragen haben, so haben sie auch bereits die Leistungsgrenzen von Ether aufgezeigt. Auch hier hat sich gezeigt, dass die Performance der wesentlichste und zugleich systemimmanente Mangel der Blockchaintechnologie ist.

Im Gegensatz zu Bitcoin gilt Ether als zentralisierter. Einen massiven Crash hatte Ether im Jahr 2016, als ein Fehler in der Automatisierung Coins im Wert von damals 50 Mio. $ verschwinden ließ. Der Erfinder von Ether, Vitalik Buterin, beschloss damals Ether zu kopieren und in der Kopie den Fehler rückabzuwickeln. Bei dem heute bekannten Ether handelt es sich also um eine Kopie des ursprünglichen Ethers, welcher sich wiederum unter dem Namen Ethereum Classic noch immer im Markt befindet - und sich auf seine Originalität beruft.